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Vorbereitung von Interviews

Auf dieser Seite finden Sie einige grundsätzliche Informationen zur inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung von diagnostischen Interviews. Ziel der Interviews ist die Erhebung der mathematischen Denkwege von Schülerinnen und Schülern. Beachten Sie jedoch, dass es nicht DIE Vorbereitung gibt, sondern dass es stets auch vom Thema und den Rahmenbedingungen eines Interviews abhängt, wie intensiv Sie auf bestimmte Punkte eingehen.

1. Worum geht es?
2. Inhaltliche Vorbereitung eines Interviews
3. Organisatorische Vorbereitung eines Interviews
4. Verwandte Themen

1. Worum geht es?

Es gibt viele verschiedene Anlässe diagnostische Gespräche mit Kindern zu führen. Im Unterricht können sie hilfreich sein, um z.B. Lernstände zu erheben oder um Schwierigkeiten und Vorstellungen von Kindern nachvollziehen zu können. Es gibt recht typische Anlässe, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen beispielsweise,

  • nachdem man die Hausaufgaben oder schriftlichen Dokumente der Lernenden nicht deuten konnte,
  • wenn Sie erfahren wollen, welche Kompetenzen das Kind bzgl. eines Themas besitzt (Hat das Kind z.B. verstanden, welche Grundvorstellung hinter der Multiplikation steckt oder hat es die Aufgaben und Ergebnisse nur auswendig gelernt?),
  • wenn Sie nicht wissen mit Hilfe welcher Strategien das Kind zur Lösung einer Aufgabe gekommen ist usw.

Auch in der didaktischen Forschung werden vielfach diagnostische Gespräche genutzt, um neue Erkenntnisse über Denk- und Lernwege von Kindern zu erlangen.
Von besonderer Bedeutung ist dabei unter anderem die gute Vorbereitung. Diese fällt selbstverständlich nicht immer so ausführlich aus, wie es hier vorgestellt wird. Mit wachsender Praxiserfahrung fällt es in der Regel zunehmend leichter, solche Gespräche auch spontan zu führen. Verfolgt Sie aber ein bestimmtes Ziel oder sind Sie noch relativ unsicher, so kann eine gute Planung des Gesprächs dazu führen, dass Sie auf viele Situationen vorbereitet sind und stets wissen, was Sie als nächstes fragen oder welchen Impuls Sie als nächstes geben können. 

2. Inhaltliche Vorbereitung eines Interviews

Die folgende Übersicht gibt Ihnen einen groben Überblick über die wesentlichen Punkte, die Sie bei der Planung Ihres Interviews bzw. Ihres diagnostischen Gespräches beachten sollten. Sinnvoll ist es, all diese Punkte kurz und prägnant in Form eines Interviewleitfadens zusammenzustellen. Dieser hilft Ihnen, sich schon vorab ganz bewusst mit den Inhalten und dem potenziellen Ablauf der Interviews auseinanderzusetzen. Außerdem kann der Leitfaden Ihnen während des Interviews als eine Art Spickzettel dienen, den Sie immer im Auge haben sollten.
Vorbereitungsschritt Erläuterung
1. Thema des Interviews festlegen. z.B. "Vorwissen von Zweitklässlern zur Multiplikation"
2. Zielsetzung(en) und Forschungsfrage(n) formulieren. Was genau wollen Sie durch das Interview herausfinden?
3. Mit dem mathematischen und dem mathematikdidaktischen Hintergrund auseinandersetzen. Mathematische Analyse: Was steckt in der/den Aufgabe(n)?; Welche mathematischen Kenntnisse sind notwendig, um die Aufgabe(n) lösen zu können?; Rechnen Sie die Aufgabe(n) in jedem Fall selbst! Didaktische Analyse: Welche Befunde zu Vorgehensweisen bzw. typischen Fehlern gibt es in der Literatur?
4. Geeignete Aufgaben zusammenstellen und deren Auswahl begründen. Warum eignet sich die Zusammenstellung der Aufgaben besonders gut, um eine Antwort auf die Forschungsfragen zu finden?
5. Sternchen-Aufgaben zusammenstellen. Wie kann man noch mehr über das Denken der schnellen oder starken Kinder erfahren?
6. Einstieg in das Interview gestalten. Was sagen Sie dem Kind, warum und mit welchem Zweck das Interview durchgeführt wird? Wie gestalten Sie den Einstieg, wenn Sie dem Kind ein Aufgabenformat präsentieren, das es noch nicht kennt (z.B. Zahlengitter)? Wie klären Sie die Rechenvorschrift, ohne eine platten Vortrag zu halten? Wie kann das Kind ggf. die Rechenvorschrift selbst entdecken?
7. Geeignete Fragen formulieren. Welche Fragen eignen sich, um besonders viel über die Denkwege der Kinder in Hinblick auf Ihr Thema und ihre Zielsetzung zu erfahren? Was machen Sie, wenn ein Kind nicht weiter weiß?
8. Mögliche Vorgehensweisen und typische Fehler der Kinder antizipieren. Welche Vorgehensweisen und ggf. typischen Fehler des Kindes erwarten Sie? Je mehr man sich darüber schon vor dem Interview Gedanken macht, umso flexibler kann man während des Interviews auf das Vorgehen der Kinder eingehen.
9. Mögliche Impulse überlegen. Was können Sie fragen, um noch mehr über das Denken der Kinder zu erfahren? Denken Sie immmer daran, dass wir möglichst alle Kompetenzen des Kindes wahrnehmen wollen! Es reicht nicht, wenn das Kind eine Aufgabe einfach nur lösen kann!
10. Material für die Schülerinnen und Schüler aufbereiten. Wie sollen ggf. die Arbeitsblätter gestaltet sein? Inwiefern und in welcher Form wollen Sie dem Kind Material zum Handeln zur Verfügung stellen?
11. Wie soll während Ihres Interviews die Dokumentation erfolgen? Protokoll, Video- oder Tonaufnahme? Insbesondere als Anfänger sollten Sie bedenken, dass es kaum möglich ist den Aussagen des Kindes genügend Beachtung zu schenken, weitere Fragen zu stellen und gleichzeitig die wesentlichen Aspekte zu protokollieren. Videoaufnahmen erleichtern die anschließende Analyse. Denken Sie in diesem Fall an eine Einverständniserklärung der Eltern.
12. Auswertung Sie sollten schon vor dem Interview wissen, in welcher Art und Weise Sie die Daten auswerten wollen, da nicht mit jeder Art von Daten jede Art von Auswertung erfolgen kann. Brauchen Sie z.B. Transkripte, wollen Sie Lösungshäufigkeiten ermitteln usw.?
Erstellen Sie selbst einen Interviewleitfaden zu einem der beiden folgenden Themen:

1. Welche Vorkenntnisse bringen Zweitklässler zur Multiplikation und Division mit?

2. Welche prozessbezogenen Kompetenzen zeigen Drittklässler bei der Bearbeitung des Aufgabenformats "Finde alle Zahlengitter zur Zielzahl 20" Wie gehen sie vor und wie begründen sie die Vollständigkeit ihrer Lösungen?

Sie finden hier zur groben Orientierung bereits zwei angefangene Interviewleitfäden. Versuchen Sie möglichst die roten Textteile umfassend zu füllen und die Fragen zu beantworten.

An dieser Stelle können Sie sich exemplarisch Interviewleitfäden zu anderen Themen anschauen. Inwiefern finden Sie die Interviewleitfäden hilfreich? Welche Informationen fehlen Ihnen?

Berücksichtigen Sie, dass Ihre Leitfäden, insbesondere Ihre Zielsetzung und Aufgabenauswahl immer auch auf die individuellen Gegebenheiten Ihrer Interviews abgestimmt sein müssen.

3. Organisatorische Vorbereitung eines Interviews

Kontaktaufnahme mit einer Schule

Grundsätzlich gilt, je früher Sie an einer Schule für einen Interviewtermin anfragen, desto höher ist die Chance auf eine positive Antwort. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass man eine Schule eher für sich und sein Projekt gewinnen kann, wenn man zunächst einen freundlichen Brief an die Schulleitung schickt, in dem man kurz sein Vorhaben mit dem gewünschten Zeitfenster darlegt, bevor man einige Tage später noch einmal telefonisch Kontakt aufnimmt. So überfällt man die Person am anderen Ende der Leitung nicht einfach, sondern man kann sich auf seinen Brief berufen und direkt nachfragen, ob die Schule für eine Zusammenarbeit bereit steht und einen Termin vereinbaren.

Folgende Punkte sollten Sie auf jeden Fall (im Brief oder später am Telefon) ansprechen:

  • benötigte Klassenstufe
  • Anzahl der zu interviewenden Kinder
  • Zeitlicher Umfang und Form der Interviews (Einzel- oder Gruppeninterviews?)
  • Wahrung der Anonymität der Schule, Kinder und der Lehrperson
  • Angebot, die gesammelten Daten (z.B. Videos oder schriftliche Analyse) später der Lehrerin zur Verfügung zu stellen.
  • Notwendigkeit eines möglichst abgetrennten, ruhigen Raumes zur Durchführung

Durchführung von Videoaufnahmen

Wenn Sie sich entscheiden Ihre Interviews auf Video aufzuzeichnen, so denken Sie daran, dass Sie dann die Einverständniserklärung der Eltern einholen müssen, um die Kinder filmen zu dürfen. Solch ein Schreiben sollte man der Klassenlehrerin rechtzeitig zur Verfügung stellen, da die Rücklaufzeit häufig über einer Woche liegt. Hier finden Sie eine exemplarische Einverständniserklärung zum Download.

4. Verwandte Themen

Kinder besser verstehen
Informative Aufgaben
Diagnostische Gespräche
Interviews durchführen
Interviews auswerten